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Nachricht vom 04.05.11 Ein Sack voll Arbeit.
 



Foto (c) Martin Jehnichen



A:    Wann haben wir uns das letzte Mal gesprochen?

B:    Das muss kurz nach der Leipziger Buchmesse gewesen sein.


A:    Was ist so passiert dazwischen, also zwischen jetzt und  „damals“.

B:    Du, also, wo fang ich da an? Ich weiß noch, es hagelte Kritik.

A:    Was jetzt, hast du wieder mal Scheiße gebaut?

B:    Weiß nicht, jedenfalls kam Kritik. Is ja immer gut. Kritik und so. Wird man nicht träge. Muss man sich noch mal umdrehen und so nachschauen, was man   da eigentlich verzapft hat.

A:    Du meinst jetzt reflektieren, sich besinnen, innenhalten? Also der ganze esoterische Ego Quark?

B:    Von mir aus, auch das.
Also, hab ich doch da so ’n Job gemacht. Bin doof um die halbe Welt, hab mich blöde bezahlt an Wiedergutmachung bei Greenpeace und so, kennste ja. Ökoenergiebilanzausgleichsgedöns. Da wo man Ablass handelt für die vergangenen und die zukünftigen Sünden. Eben nich beim Alten da oben, sondern bei den noch Lebenden hier unten. Für Regenwald und so. Hab ich gedacht, kriegst ja Geld für, musste ERGO auch was abgeben. Also nich nur Finanzamt und Steuern und Sozialprojekte, sondern eben grün. Wegen Gewissen und das alles. Klingt komisch, is aber so. Bin da also durch. War auch gut. War auch lehrreich. Wie tickt die Branche, verstehste?

A:    Ne, versteh ich nich.

B:    Na Branche eben. Die drehen eben einen Spot im Winter, weil die Kampagne im Frühjahr kommen soll. Aber die drehen eben nicht auf „Halde“, sondern aktuell. Ne Idee, sagen die muss auf den Markt, wenn se warm ist, also heiß. Also Sonne. Warn Witz mit der Sonne. Aber die Zeit is eben schnell, also nicht die Zeit, wir sind so doof, alles schnell haben zu wollen. Und trotzdem meckern. Muss sich ja jeder auch an die eigene Nase fassen. Schnell muss es immer gehen. Und das neuere Handy is einem auch lieber als das Alte und im Supermarkt soll es auch immer Bananen und Obst und so geben, dass das im Winter alles bei uns nich wächst. Wissen wir ja. Aber wer kauft keine Bananen? Oder Wein aus NeuseelandSüdafrikaChile. Wer kauft kein I Phone, Smartphone, oder so ein Musikdings für die Ohren walkman, oder Mp3 oder 4 player dingsbums, oder all den anderen Scheiß? Oder eingeschweißte Wurst und Käse? Oder wer geht denn mit ner Tüte einkaufen?, wenn man die Tüte im Laden dazu bekommt? Also ehrlich, Hand hoch. Wer macht den Schnell Scheiß NICHT mit. Also ich mein, der Punkt is ja nich, dass alles nich zu machen. Der Punkt is, ob man es nicht nur bezahlen, sondern ob man es auch leisten kann, die Sachen zu kaufen oder zu tun, die man so kauft, die man so tut. Und was man tut, um das Gleichgewicht wieder herzustellen.
Naja, laber Öh laber. Ich mein, Meinung haben is ja gut und schön. Aber die Meinung, die man hat sollte auch der eigenen Realität standhalten, am eigenen Alltag nicht zerplatzen, wie ne Seifenblase. Dann is die Meinung auch Scheiße und genauso viel wert wie Politikergelaber. Deswegen bin ich ja mit Kritik immer gern vorsichtig und auch mit ner Meinung nicht so spendabel. Ich check die immer erst mal gegen, ob ich das selber auch leisten kann, was ich da von den anderen fordere. Bin ja nicht der Typ mit dem Stein und dem Glashaus. Oder der mit dem Gras in der Tasche.

A:    Abgehakt.

B:    So, dann hats mich nach Hamburg verschlagen. Dachte auch erst. Hamburg. Naja, so weit weg mit Zug und so. Hab dann aber den guten Bullen einer Reiterstaffel gespielt. Richtig mit Pferden und richtigen Polizisten und mit richtig Reiten. Das war schon was. Warum die aber diese Serie „Hafenkante“ nennen, das hab ich bis heute nicht gecheckt. Ich war nicht einmal am Hafen. Das war ich kurz danach. Beim „Großstadtrevier“. Da war ich am Hafen und war ganz dicke Tinte mit der schnuckeligen Polizistin. Die wollte mich dann auch gerne noch mal wiedersehen. Mach ich auch. Noch in diesem Jahr. Gehe ich noch mal hin zu den Leuten vom „Großstadtrevier“. Tolle Kollegen.
Dann gabs Arbeit am Roman. Ich darf ein wenig lektorieren. Also, die ständig besser werdenden Endfassungen des Romans meines Freundes als allerallererster lesen. Das ist schon wirklich super. Das Schreiben, was der da macht ist beeindruckend. Das würde ich rasend gerne können. So Sätze eben die stimmen. Kann ich nur sagen „Hut ab“. Auf die End End Endfassung freu ich mich gewaltig.
Weiter. Das erste richtige „Lehrer“ Buch lag dann endlich wieder vor mir. Und Hastenichgesehen war ich auch schon in Köln und traf die neuen Kollegen. Zwei fette Castingtage für ne neue Lady und nen neuen Typen. Das ist einfach mal wundervoll, wenn eine Filmfirma weiß was sie tut. Die Sony ist einfach mal der Hammer. Am 10.6. geht es mit dem Vollmer wieder in die Vollen. Ein saugeiles Buch. Wenn ich Freiberg und Co endlich treffe (Das sind die Autoren vom „Lehrer“) muss ich die wohl wieder zu Boden knutschen, für den „Wahnsinn“ den sie da wieder geschrieben haben. Nächste Woche gibt’s noch zwei Tage Casting. Dann geht’s rund.
Halt, davor war noch ein Casting für eine richtig runde Sache, die im Norden spielen wird. In Lübeck. Das wär, wenns klappt ein weiterer Treffer mitten in die 12. Ne Entscheidung darüber gibt es in 14 Tagen. Meine Daumen sind bereits blau, vom Drücken.
Und ja, jetzt bereite ich mich auf einen krassen Auftrag vor. Einen schrägen Typen vom Lande darf ich spielen. So einen, der aber auch gar nichts gebacken kriegt. Freu mich drauf. Ist auch wieder im Norden und nennt sich aus der Reihe „Heimatgeschichten“ Der Titel der Geschichte ist „Frau Doktor und das liebe Vieh“. Das wird ein Fest. Dabei treffe ich schon mal den Piwek, den Rainer alias Sievers aus dem Lehrer. Die Dialoge und Szenen sind wunderbar „eumelig“. Zwischendurch aber muss ich dann noch weiter nach Norden, um bei der „Küstenwache“ fast abzusaufen. Ein Apnoe Tauscher, der seinen Kumpel bei 170m Wassertiefe verliert. Spannende Sache. Dann erst geht der „Lehrer“ richtig los. Aber gleich danach geht es dann nach Norwegen. „Sog der Gezeiten“. Dafür war ich dann gestern schon mal in Berlin zur Leseprobe. Hab mich gefreut über Markus Knüffken und Esther Schweins. Wir werden viel Arbeit haben, da im reichsten Land der Welt. In Norwegen. Und dann endlich, danach darf ich seit Jahren einmal wieder in Leipzig arbeiten. Keine Probleme mehr mit der Ökobilanz. Tatort Leipzig mit Wuttke. Das wird wie im Traum. Eine erdige richtig gute Figur wartet da auf mich. Hammer.

A:    Und sag mal, Urlaub?

B:    ur..was?

A:     Urlaub.

B:    Du immer mit deinen Fremdwörtern. Ich hab dann ganz einfach vielleicht mal Zeit, mich weiter ans Drehbuch zu machen. Wenn ich nicht wieder in den Norden muss. Arbeitstitel „Das Duell“. Soll ganz nah an Brauns Roman sein. Bin selber gespannt, wie das abgeht. Das E Buch mit den Notizen ist schon ziemlich dick. Hab extra ne externe Festplatte dafür.

A:    Hast du vielleicht noch irgendwas vergessen?

B:    Na klar. Ich grüße den gesamten Club auf der Stange. Und ich grüße alle, die immer mal in den Stall schauen und ein paar Eier mitnehmen oder ne Hand voll Körner reinwerfen.

A:    Noch was? Hast du vielleicht mal das neue outfit vom Stall bemerkt? Ist jetzt nämlich inzwischen ein High Tech Stall geworden. Wird demnächst sicher auch einen neuen Namen geben, so spacy und abgefahren wie das aussieht.

B:    Meinst du jetzt „Hühner im Weltraum“ oder was?

A:    Du bist doof.

B:     Sag mir was Neues.

A:    Du bist saudoof.

B:    Siehste, geht doch.

A:    Danke für das Gespräch.


Das Interview mit dem etwas zauseligen Kauz führte… He, wie heißt du noch mal? …Jetzt ist er weg.



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