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März 2010

An alle Gästebüchler
Wovon ich gerade am meisten beeindruckt bin?
Professionalität. Und das Wissen derjenigen um die eigene Professionalität, dass sie sich auf die Zeichen, die Signale des anderen Profis verlassen können. EINE Sprache. EIN Gestus. Nicht: Alles ist möglich. Sondern: alles auf dieser Spielwiese ist kombinierbar – es liegt an deinem Talent, es kreativ zu kombinieren. „Impress me!“ Sagt Alexa zu Ryan und beide wissen, wie dünn die Luft ist, um den anderen beeindrucken zu können. Es ist die eigene kreative Kombination der Dinge. Es bedeutet auch, in der akzeptierten Form zu bleiben und nicht Register aus der Gosse, aus dem Adelsstand oder aus der Hip Hop Szene zu ziehen. Ein Zitat, eine formgewandelte Art aus einem anderen Register ja, aber nicht „raw“, Stil und Form bedeutet Kultur. Egal in welcher Liga. Kultur findet überall statt.

Im Augenblick bin ich am meisten beeindruckt von Menschen, die Kultur leben und dabei müssen sie dafür nicht mal ins Theater gehen.
Woher stammt dieser Eindruck? Zur Sprache kam er, nachdem ich 2 Mal direkt hintereinander auf einem Flug von 11:40 h (Auckland NZ – Hongkong C) „Up in the air“ George Clooney/Jason Reitmann gesehen habe. Nachdem ich, kopfschüttelnd aus Bewunderung und Verblüffung über so viel Professionalität, nachdem ich mit feuchten Augen endlich, in der dritten Wiederholung
die Stopp Taste drückte. Und die weiteren Wiederholungen (insgesamt 4) auf den Anschlussflug (12:30 h Hongkong C – Frankfurt/M D) verschob. Ein Team, ein Film, ein starker Eindruck. Im Film zwei starke Frauen. Eine grandios gebaute Geschichte. Mindestens 4 Seitenstränge direkt verbunden mit der Hauptfigur und alle dramaturgischen Linien münden in das Hauptthema des Filmes/der Geschichte. Was ist in dem Rucksack deines Lebens? Schon mal drüber nachgedacht? Was davon willst du eigentlich in deinem backpack haben und was ist einfach nur Last? Und was wirst du vermissen, wenn du es heraus nimmst aus deinem täglichen Reiserucksack? Ist das wahr, das Leben ist Bewegung? Es ist nicht das „irgendwo Ankommen“, es ist, und es bleibt alles in Bewegung. Du auch. Mach dir nichts vor, halte dich nicht an Starrem fest. Nichts von dem wovon du glaubst, dass es ewig, fest, sicher ist, wäre auch nur im Ansatz fest, sicher, ewig oder irgendwo verwurzelt. Fest und sicher, verwurzelt ist nur eine einzige Sache und die zu 100 Prozent. Du selbst in dir. Nur du bist mit dir verwurzelt, du hängst fest an dir, du kannst dir nur sicher sein, was du bist. Du kannst nicht aus deiner Haut. Keinem anderen passt deine Haut. Wenn du schreist, schreist du. Wenn du Schmerzen hast, dann hast du sie. Wenn du „Liebe“ empfindest, dann empfindest du „Liebe“, niemand sonst. Alles, alles andere ist nichts davon. Die Illusion Familie - ein sicherer Hafen, das Haus – endlich hast du es zu etwas gebracht, die Kinder – Familienbande sind dicker als Blut, der tolle Job – es braucht nicht immer eine Weltkrise, um arbeitslos zu werden, es reicht auch die schlechte Laune deines Chefs, all diese Behauptungen von Sicherheit sind nur Behauptungen von Sicherheit. Es sind Illusionen. Das ist so wahr, wie wir sterben werden. Aber was um alles in der Welt ist denn schlimm an diesen Illusionen? Nichts. Überhaupt nichts, solange wir wissen, dass es Illusionen sind. Wenn wir das nicht wissen und uns selbst glauben machen, der andere macht mein Glück, weil er mich liebt, weil er meine Familie ist, mein Partner, mein Kind, dann führen wir über kurz oder lang Kriege. Kriege gegen die, die unsere Illusionen zerstören, weil sie überhaupt nicht daran denken, dafür verantwortlich zu sein, oder dass es uns gut geht. Wir tun das auch nicht. Wir sind auch gar nicht in der Lage dazu. Wir wissen nicht, was für den anderen gut ist. Wenn er es selber oft schon nicht weiß.
Aber wenn wir uns über die gemeinsame Illusion einig sind. Dann sitzen wir in einem Boot. Dann haben wir einen gemeinsamen Freund. Unsere Lust am Spiel. Dem Spiel miteinander, der Freude daran, den anderen verstehen zu wollen, der Freude daran, den anderen verletzen zu wollen, Freude daran, das Gefühl zu haben verliebt zu sein ohne den anderen zu verpflichten das gleiche zu empfinden. Das macht uns frei, das macht uns fähig für ein miteinander. Das ist ein Schritt Kultur.

Das Ganze ist, so glaube ich, eine Empfehlung für den Film „Up in the air“ mit George Clooney und zwei wunderbaren Schauspielerinnen, deren Namen ich noch mal googlen muß. (Vera Farmiga, Anna Kendrick) Streitet Euch drüber, lehnt es ab. Ist ein Gedanke. Und er hat das Recht nicht gut oder gut, glaubhaft oder nicht zu sein. Aber es ist ein Gedanke. Ein Gedanke eben.
Gruß derH



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