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 Hendriks Marokko-Bericht

Aus den filmischen 70 er Jahren „Westflug"/ Deutschland - ins 21 Jhd. Nordafrikas. 

 Der letzte Drehtag „Westflug", Dienstag, 30.09. in der Schorfheide, 70 Autominuten nördlich von Berlin, in einer TU 134 A, auf dem alten Fliegerhorst der Deutschen, dann Russen, im Cockpit, bewaffnet mit einer Spielzeugpistole. Dann, noch „drehwarm" nach Berlin. Abschlussfest in den Hackeschen Höfen. 22:00. Teamfilm, Trailer, Abschlussreden, sehr gute Stimmung, ja, auch ein wenig Alkohol, aber 4:00 direkt ins Taxi, Hotel, zum Flughafen Tegel, 5:30 check in, 7:30 Abflug.

Madrid. 5 Stunden Zeit, die riesigen Terminals zu verfluchen. Anschlussflug Casablanca. 5 Stunden auf harten Stühlen wartend auf den Flug nach Marrakech – 2h Zeitverschiebung. 18:00 die Stadt der Träume. Nein. Flughafen gesperrt. Der König kommt. Also, raus oder 3 h in den Sicherheitsbereich. Flucht nach draußen. Eine Wand aus heißer Luft. Shuttle zum Hotel. Check in. Französisch! Arabisch! Englisch? Schnell. Zimmer. Taschen ab. Los. Begrüßungsfest. Shuttle zum anderen Hotel. Hallo, ja herzlich willkommen und Gratulation zum TV Preis und und und. Das Bier war furchtbar, die Uhr ging auf 23 Uhr. Shuttle zurück. Zimmernummer? Scheiße. Endlich. Tür zu. Ein Bett. Scheintot.

Endlich Endlich Endlich 

02.10. 05:00 der Muezzin. Wo bin ich? 

Marrakech, die Perle, die goldene, die rote – rosa Stadt. Churchill, Jimy Hendrix, Mick Jagger, die Flower – Power – Big Joint Generation, Gräfin von…., die den Sommer doch lieber in Österreich verbringt als in den Kasbahs, den Souks, den Palästen der vergangenen und derzeitigen Dynastien, waren alle schon hier. Die Lieder dieses Landes besingen nicht diejenigen, die sie singen, sie erzählen die großen Geschichten der noch größeren Fürsten und Feldherren, die zu ihren Lebzeiten auch die Sänger nicht verschonten, wenn es um Macht und Reichtum, um Ländereien ging.

Die Berber, die Almoraviden, die Almohaden, die Touaregs, die Araber, die Franzosen …..endlos die Reihe derer, von denen wir in der Schule kaum etwas erfahren haben. Kaum eine Nation der alten und auch der neuen Zeit hat hier nicht seine Abdrücke in den roten Sand gesetzt, zwischen Atlas und Sahara, Atlantik und den weiten Ebenen dieses sagenumwobenen Landes.

Aber oder gerade deswegen haben sich diese nunmehr zum Großteil muslimischen Völkerstämme den Kulturschock des 20 Jhds. traditionell in ihr Kulturgut einverleibt.

Zwischen: „wie vor 1000 Jahren und der Games Convention"

Vollkommen unterkühlte Luxushotels, (ökologische Katastrophen), auf dem unterirdischen Wassersystem der Ahnengenerationen treiben sie immer noch diese Wüste zur Blüte in verschwenderischer westlicher Manier, architektonisch wiederum traditionell (kein Gebäude größer als das Minarett der Koutoubia Moschee) –Bars mit klarer Ansage und einladendem Namen „Extrablatt" – Diskotheken mit Sounds des 22 Jhds. – Zahnlose Händler im Straßendreck mit echten Zähnen und Gebissen auf Verkaufstischchen, die Zange des mittelalterlichen Barbiers griffbereit, bereit dafür, dir einen neuen Biss zu verpassen. Gleich jetzt. Gleich hier. Der Wasserträger kühlt dir den bluttropfenden Kiefer, wenn du willst. 

Bei Strafe verboten, den Touristen zu nötigen, zu berühren, sprechen nunmehr die Augen und Gesten der Händler eine beredte Sprache der Überlebenskreativität dieser Menschen. Sie dienten schon immer höheren Mächten. Nun sind es die Touristen. 

Du bist wirklich willkommen und mittlerweile auch ermächtigt, muslimische Traditionen zu missachten. Davon wird eben auch Gebrauch gemacht. Röcke bis zum Hinterteil und Tops bis zum Bauchnabel. (Gut ich übertreibe, aber mancher Touri tut das eben auch.)

George Orwell war hier und kurierte seine TBC, Colin Farrell den Mythos „Alexander" und überquerte hier, kurzerhand per Sprengung eines Hochplateaus die Alpen. (?) ((Das ist Film)) Sex in the City 2 treibt hier Unzucht mit uns und nachdem wir schon lange wieder Zuhause sind immernoch. 

Wir? Wir drehen hier „honeymoon", wie es auf der Dispo steht. 

1. Drehtag: Kostümprobe auf dem Markt der Märkte Djemaa el Fna 

2. Drehtag: Das Atlasgebirge. Shuttle 1 ½ h. Dann endlich wieder arbeiten. 

Ich? Ich habe mich verkrochen, die ersten beiden Tage. Vom Hotelzimmer ins shuttle, ins make up, Garderobe, zum Set 1, Set 2,….Set 5, zurück ins Hotel.

Episode? Gut:

Thomas, so heißt der Knabe, den ich spiele, frisch verheiratet auf dem Schiff der Träume, goes trekking with his wife. Accident. Thomas fällt vom Berg und kugelt also nicht nur den Hügel abwärts, sondern sich den Arm aus. Jaaaa. Bitte. Lasst mich euch einen Stunt anbieten, dass die Olivenbäume die Früchte verlieren! 

Na, mach mal. Neee. Kamera weiter unten, muß schon richtig Krachen. Gut und Rums! 

Beim Aufprall am Baum trafen sich Körper und Seele. Endlich war ich angekommen. 

Ein eifriger marokkanischer Helfer sah den Unfall aus der Ferne und rannte los, um zu retten, was zu retten ist. Er war neu, hatte das Gemetzel aus dem „Alexander" Film nicht miterlebt. Die herbeigeeilten Sanitäter beruhigten ihn. Er hatte einen leichten Schock.

An diesem Abend schmeckte das Bier. 

Marrakech 2                            Oktober 2009

Mit Bildern im Kopf, mehreren Telefonnummern von nunmehr Bekannten aus Marrakech im Speicher, einem kleinen Teppich unterm Arm, das nächste Drehbuch im aufgeklappten Laptop auf den Knien in der Holzklasse sitzend auf dem Weg nach Madrid, wandern die Gedanken zu einem der letzten, freien Tage in Marokko. Ich hab das Atlasgebirge aus der Nähe erlebt, in der Zeit Menschen kennengelernt mit denen ich, Skype sei Dank weiter telefonisch Kontakt halten kann, die Altstadt und die Neustadt fast vollständig abgelaufen, meinem „Thomas“ spielerisch noch  paar neue Charakterfarben verpasst……was war da noch alles? ……freie Tage. Klare Sicht. Die Berge des Atlas auf Tuchfühlung.

Die Stadt schwitzt träge. Kein normaler Mensch läuft hier freiwillig durch die Mittagshitze. Und warum stehe ich dann hier, high noon auf dem Djerma El Fna?  Vollklimatisierte Reisebusse schieben sich an mir vorbei. Gesichter hinter getönten Scheiben suchen das arabische Flair auf dem Weg zu den „sicheren“ Einkaufsplätzen. Fliegende Teppiche. Aladins Wunderlampe und alles mit Echtheitszertifikat. Ich trolle mich aus der Sonne in die schattigen Gassen, vorbei an den Händlern. Ich habe mir etwas überlegt. Die Taktik der Händler ist so simpel wie gut. Sie versuchen mit allen Mitteln dich in ein Gespräch zu verwickeln; „Nur mal gucken. Gucken kostet nix.“

Der wichtigste Satz in ihrem deutschen Vokabular. Also drehe ich den Spieß einfach um. Ich gehe auf sie zu und verwickele sie meinerseits in ein Gespräch. Im Sinne von; „Hey, ich habe zuerst gefragt.“ Es funktioniert. Unter den schützenden Dächern der Souks schwatze ich mich von einem Händler zum nächsten, ohne irgendeinen Touristenkitsch zu kaufen. Wir reden, wir schwatzen regelrecht. Ich wusste gar nicht, was ich für eine Labertasche sein kann. „Haben sie Kinder? Ja?, Mensch, wie viele denn? Und arbeiten die auch alle hier? Ach, der Älteste, und die anderen? Gehen in die Schule. Gibt es ja jetzt hier, seit der junge Monarch das Bluterbe des Vaters in Soziales und in die Infrastruktur steckt.

Oh, entschuldigung, aber mein Französisch ist…, also in Deutsch würde man sagen unterirdisch.“ Wie? 
   U n t e r i r d i s c h. Mit allen Füßen und Händen übersetze ich das Wort in eine allgemeingültige Sprache. Großes Gelächter. Hände klopfen auf meinen Schultern herum, man gibt mir gute Tipps für Sehenswürdigkeiten und Ausflüge und entlässt mich einkaufsfrei. Meine Versuche nach dem Weg zu fragen, sind dann weniger erfolgreich. Bestimmende Hände, Arme und entschiedene Gesten mit dem Kopf, weisen grundsätzlich in verschiedene Richtungen.

Ich entscheide mich für einen Tee. Und habe Zeit über die merkwürdige Architektur nachzudenken. Fast fensterlos nach außen. Schmale  verwinkelte Gassen. Kleine Fensterlöcher mit Fensterläden aus Holz. Die Innenhöfe offen, frei geräumig, irgendwo immer ein Rinnsal oder ein Brunnen, Wasserspiele in den reicheren Riads. Angrenzende Wandelgänge. Meist kleine Räume. Und auch Innen die Gänge vom Eingang ins Innere verwinkelt. Merkwürdig.

Ich blinzle in die Sonne, genieße den Schatten und sehe die von den Sonnenflecken flirrend aufsteigende Hitze. Kein Windhauch. Hier, wo ich gerade bin, in der Gasse, ist es angenehm, ein leichter Wind weht.  Dann fängt mein Hirn an zu reden. Eng schmal = schattig. Verwinkelt, hoch = Luftzug. Fensterlos, Holzläden = Temperatur konstant. Keine Klimaanlage, keine Stahlkonstruktion, keine getönten Scheiben und keine Kaltgetränke, sondern heißer Minzetee. Mehrere Badehäuser, Hammam in jedem Viertel. Männer Frauen getrennt. Kinder mit den Müttern = erste Sexualkunde.

Was ist der Islam doch für eine spannende Religion.  Moment, ein Stück zurück. Ich glaube, mein Hirn hat in der Hitze ein wenig gelitten. Wie kommt es auf diesen Schluss? Eine Religion, wie alle anderen auch, geboren aus menschlichen, örtlichen und klimatischen Bedingungen. Kein äußerlicher Prunk. Die immerwährende Hitze und die stetig wachsenden immer dichter werdenden Besiedelungen zwingen nach Regeln, die viel mehr nach innen gerichtet sind.

Der Unterschied zwischen Haben und Nicht Haben ist hier viel größer als in klimatisch günstigeren Gebieten. Im germanischen Wald findest du schneller das, was man zum Überleben braucht. Hier? Kein bildlicher Gott, keine bildliche Menschen -und Tiergestalt nur Farben und Ornamente. Wer diese lesen kann findet ein Fülle an Geschichten. „Wollen sie noch einen Tee?“ Danke, ja. Jetzt ist der Gedanke weg. Werde ihn weiterspinnen. Irgendwann. Es ist bereits Abend.

Ein lautes, musikalisches Treiben bevölkert nunmehr alle Plätze. Die Straßen sind das reine Chaos, reißende Ströme nicht enden wollenden Verkehrs. Fußwege sind  hier vielmehr das rettende Ufer. Und dennoch sind Unfälle Mangelerscheinungen. Selbst wenn die Scheinwerfer an den Autos, die Bremsen an den tausenden Mofas nicht funktionieren, die Hupen sind 1a in Ordnung. Mir gefällt das Land……


Bereits Ende Oktober:
….mit Bildern im Kopf, mehreren Telefonnummern von nunmehr Bekannten aus Marrakech im Speicher, einem kleinen Teppich unterm Arm, das nächste Drehbuch im aufgeklappten Laptop auf den Knien in der Holzklasse sitzend auf dem Weg nach Madrid.Es ist Sonntagmittag, der Flieger beginnt seine Reise mit 1 ½ Verspätung. Es herrscht permanente Aufregung. Na und? Es löst sich immer. Der Anschluss in Madrid 4 Stunden Wartezeit. In Berlin werde ich gegen 23:30 sein. Und ich werde sehr froh sein über mein Heimatland. Ja, ich liebe die verbliebenen germanischen Wälder, die Oktoberluft, den kommenden November, einfach das Land. Viel werde ich die nächste Tage nicht wahr nehmen können, aber ich kann es wieder riechen.
Montag – Hörspiel für den mdr und Coaching für Kollegen.
Dienstag und Mittwoch - Köln Comedy Preis.
Donnerstag - Berlin Kostümprobe und Regie/Drehbuchlesung Überarbeitung.
Freitag – Casting Vorbereitung.
Am Wochenende der Familie ins Gesicht schauen.
Am Montag beginnt die Vorbereitungswoche für den neuen Film im schönen Rheinland, dem Pfälzer Ländle. Dazwischen schiebt sich noch das erhoffte Casting für einen deutschen „Indiana Jones“ Film.
Auf in die Pfalz, die rheinländische. ARD „Die geerbte Familie“. Endlich Heimat und mitten auf dem Lande und inmitten eines großartigen Bauernhofes.


Gruß derH   [Bericht & alle Fotos (c) Hendrik Duryn - vielen Dank dafür ;o)]



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