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Auszeit?

4500 Zugkilometer,
3500 Flugkilometer
nach der letzten Meldung „Ein Sack voll Arbeit“.

Norwegen. Irgendwo zwischen Felsen an Fjorden unter Möwen und tief hängenden Wolken. Station 10 des Jahres 2011.
Projekt „Sog der Gezeiten“.

 



Von Berlin nach Oslo, von Oslo nach Sogndal, aber der zweite Flieger drehte eine Ehrenrunde nach der anderen. Die Landebahn war einfach  nicht zu sehen. Wolken hüllten den Berg ein. Vollständig, blickdicht, unsichtbar. Wer auch immer auf die Idee gekommen ist, eine Landebahn auf den Gipfel dieses Berges zu bauen, musste viele gute Gründe gehabt haben. Nur heute war halt nicht der Tag für „gute Gründe“. Der Flieger landete irgendwann irgendwo. Immerhin, er landete sanft. Hat doch was Positives. Der zweite Anlauf endete vor dem Start der Maschine und führte dann übergangslos in einen Überlandbus. So richtig konnte keiner sagen, wie lange es dauern und ob er überhaupt dorthin fahren würde, wo ich hin musste (wo musste ich eigentlich hin?). Egal. Immerhin war ich wenigstens schon in Norwegen, wieder was Positives.
Warum fährt ein Busfahrer wohl an eine Tankstelle? Nach knapp
1½ h Fahrt? Na klar, um zu tanken. Warum tankt der Busfahrer aber nicht, wenn er an der Tankstelle steht? Na klar, weil…äh?
Sicher muss irgendeiner von den armen Säcken, die hier mitfahren hier im Niemandsland an der Tanke aussteigen und auf einen Anschlussbus warten, der weit und breit nicht in Sicht ist.

 



Mitleidig winkten die anderen als sie mich dort stehen sahen. Da es aber regnete und ein angenehm kühler Nordwind unter das kleine Vordach fegte fühlte ich mich gar nicht sooo allein. Immerhin Regen und Wind, da waren wir schon zu dritt.
Ein kleines Vehikel rumpelte um den Hügelzug am Horizont herum.
Ja, mein Bus.
Je schmaler die Straßen, je kleiner die Busse wurden, umso gewaltiger wurde die Natur. Und gewaltiger und gewaltiger und gewaltiger.



Dann war die Straße zu Ende. Eine Fähre kam. Dann war die Fähre am Ende und eine Schotterpiste begann. Dann war auch die zu Ende und ein naja Irgendweg führte zu ein paar Irgendhütten in einen doch so etwas wie Irgendort. Ein Coop (die Miniausgabe eines kleinen Supermarktes.), eine Tanke mit immerhin einer Zapfsäule…und äh, Berge, Wasser, seeeehr viel Wasser. Von oben und unten. Und wieder Berge. Aber irgendwie anders, als ich sie bisher kannte. Die sind freundlicher. Machen nicht einen auf Majestät. Die sind einfach da, zerklüftet, viele Wasseradern fließen an ihnen herunter. Bäume säumen die Hänge und ein paar lustig bunte Hütten schmiegen sich dazwischen.

 



Jammern auf hohem Niveau? Oder, mach die Augen auf, die Seele weit und lass den Stress der letzten Monate abfließen?
Das ist einfach gesagt. Jetzt erst merke ich, wie die letzten Monate wirklich zugeschlagen haben. Ein Genuss, mitten im Stress, von A nach B und ein Zwischenstopp in C und dann das Alphabet durch. Das ist schon richtig geil. Und an jedem Ort sofort mittendrin. Ob „Lehrer“ in Köln, Casting „MOIN“ in Hamburg, „Tiefenrausch“ am Timmendorfer Strand, Projekt „Herbst“ in Berlin, Projekt „Tiefstapler“ in München, noch mal eben ein zweites „Großstadtrevier“ in Hamburg, ein sturmgefällter Baum bei einem Freund, der abgebrochen werden muss und Bücher Bücher Bücher und der Brauns Roman endlich fertig als Vorlage für das eigene Buch… ja und jetzt? Ruhe. Höchstgeschwindigkeit 30km/h Serpentinen und Steilhänge, Felsen und Abgründe. Blick auf Gletscher und Fjorde und Fjorde und Gletscher.
Vielleicht genau richtig. Genau richtig. Jetzt schlägt die Müdigkeit zu. Aber die Sonne geht nicht unter. 2h Dämmerung, dann beginnt der neue Tag.

 



Die ersten fünf Drehtage hinterm Berg, ein Stelzen–Holz-Haus am längsten und breitesten Fjord Norwegens. Ein Kreuzfahrtschiff kreuzt verloren hin und her und sieht aus wie ein kleines Spielzeugboot. Himbeerplantagen und Steine, Fische in Schwärmen, Möwen schreien. Zivilisation auf Minimum….
Internet? Die aktuelle Verbindung hat eine Geschwindigkeit von
5 kbs. Das Telefon sucht ständig nach einem Netz. Fischernetze gibt es massenhaft, die anderen??
Hotel? Ne, Hütte mit Bärenfell auf halber Höhe. Wenn das mal nicht endet wie auf dem „Zauberberg“ von M.

…to be continued

 



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