Status Juni 2010
Schnelldurchlauf:
Zurück aus Newzealand. Genügend Euphorie aus 5 guten Wochen guter Arbeit. Arbeit? Ja, Arbeit als Energielieferant. Klingt komisch, ist aber so. Hat Seltenheitswert. Wohin mit so viel Energie. Zuerst mal ins Holz. Im Stadtwald ist ne Menge liegen geblieben. Auch bei Freunden hatte die Schneelast nicht nur Baumkronen, auch ganze Bäume aus den Ankern gedrückt. Gartenanlagen und verwaiste Grundstücke standen auf dem Beräumungszettel“. Viel Zeit war nicht. Knappe 2 Wochen. Durchatmen mit viel Last auf den Schultern, Ohrenschützern auf dem Kopf und einer surrenden Säge in der Hand. Aus der Sommerhitze am anderen Ende der Welt in ein wundervolles tägliches Schneetreiben im Wald.
Kitzbühl klopfte an. Die Soko im Tal des Bergdoktors am Fuß des riesigen „Wilden Kaisers“ Schneebedeckt bis in die Talstationen der ewigen Skipisten. Putzig bunte Menschen in klobigen Schuhen drängeln sich beim Après Ski. Hier vergeht die Zeit nicht. Sie steht seit hundert Jahren still. Das Kaiserreich ist allgegenwärtig und zwei Dörfer weiter schlägt Klitschko in Vorbereitung auf ein neues Fallobst, oder auf sein Präsidentenamt auf Sparringspartnern ein. Man trifft sich mit Flavio B. dem Ex der Heidi oder geht mit dem Beckenbauer schnell mal ein Weizen heben. Also, nicht ich, sondern die untereinander. In diesem Tal trifft sich alles, was ansonsten aus bunten Blättern täglich in den Auslagen liegt.
Die Arbeit? Das Team ist eingespielt. Endlich wieder Peter Sattmann als Partner. Zu wenige Szenen miteinander. Schade. Aber seine Unterhaltung ist wie bei jeder Begegnung wunderbar. Das Wetter verlängert meinen Aufenthalt auf gefühlte 3 Jahre. Es waren am Ende 14 Tage. Ein Tipp hilft mir bei der parallel laufenden Vorbereitung auf den „Berliner Boxer“ – Film. („Mann lernt Liebe“/ der nach meiner Meinung „Pension Comeback“ heißen sollte.) Ein Fitnessstudio. Seit ewigen Zeiten war ich in keiner „Muckibude“. Aber diese hat etwas, was aus mir (rein optisch) in diesen 14 Tagen einen Boxer machen könnte. Ein Powerplate. Eine halbe Stunde jeden zweiten Tag und täglich eine Stunde laufen. Halleluja. Diese „Nebenbeschäftigung“ zur eigentlichen Arbeit war optimal. Bis Drehbeginn „Mann lernt Liebe“ waren es zu der Zeit noch knappe 6 Wochen. Gekoppelt mit der Waldarbeit und Intensivtraining Boxen, sollte am Ende doch wohl eine Art Boxer aus mir werden. Konditionell wollte auch noch der „Kriminalist“ bedacht und szenisch vorbereitet sein. Die Auswahl an Arbeit war groß und tat gut. Gleichwohl schrumpften aber deshalb die Wochen und Monate bis zum heuteigen Tag extrem zusammen. Ich habe kaum gemerkt, wie der Winter vorbei ging, den Frühling hat wohl kaum einer in Deutschland wahr genommen. Gab es den überhaupt in diesem Jahr?
Eine richtig gut Arbeit nebenbei war noch mein erster konsequenter Versuch ein Theaterstück zu bearbeiten. Ursprünglich eine barocke Mantel und Degen Komödie vom spanischen Nachfolger des Lope de Vega. Von Calderon de la Barca. „Dame Kobold“. Dutzende Übersetzungen, aber keine so richtig zwingend für ein fettes Sommertheater Spektakel. Das war ein perfekter Ausgleich zum Boxen und Joggen und spielen. Ein Versuch, das gesamte Stück in antiker Vers Form mit moderner Sprache zu versehen.
Beispiel:
Das erste Bild. Ein spanischer Edelmann. Ehemaliger Soldat des Königs. Mutig, gewitzt, so eine Art Mann, der mit dem Degen genauso brilliert wie mit dem Verstand. Eine Art Sherlock Homes mit Fäusten. Der landet auf Einladung seines Freundes in Madrid mit seinem Diener. Der Diener wiederum ist ein ziemlicher Trottel, aber bauernschlau und wie Diener sind, nie um eine Ausrede verlegen. Ansonsten ein richtiger Angsthase.
Hier ein Stückchen aus dem ersten Bild:
Ein großes Kostümfest in der Stadt neigt sich gerade seinem Ende entgegen. Der letzte Tanz ist getanzt. Die beiden Fremden (der Herr Don Manuel und sein Diener treten auf.)
Manuel
Kerl, um eine ganze Stunde
Haben wir das Fest versäumt.
Maskentanz und Schaugepränge.
Kampf der Wagen und Gesänge….
Cosme
Und das Saufgelage, Herr,
Doch wenn wir noch länger säumen
Säumt bald Mondlicht unsern Weg.
Denn wie ich gehört hab klappt man
Pünktlich hier den Gehsteig hoch.
Manuel
Pünktlich setzt auf deine Ohren
Meine Hand den Glockenschlag,
Weil Du Tölpel Brief und Weisung,
Die mir mein Freund Juan gab,
Liederlich verbummelt hast.
Unsre Sachen stehn im Gasthaus
Und wir stehn hier blöde rum.
Cosme
Herr, der Mensch ist eine Plage,
Unzulänglich, unvollkommen.
Hätt sich nur der Herr da oben
Beim Erschaffen Zeit genommen,
Aber nein in Sieben Tagen
Schafft der Welt und Mensch und Vieh.
Und, weil wir verderblich sind,
Alles ohne Garantie.
Das gesamt Stück ist nun in diesem Versmaß geschrieben. Trochäus nennt sich diese Art und hat einen herrlichen Rhythmus, wenn man ihn hört. Am Anfang schwer zu lernen, aber wenn der Spieler einmal den Bogen raus hat, läuft das Ding rasant wie auf einer Schnur.
Inzwischen laufen dafür die Proben.
Das war meine Arbeit neben der doch sehr anstrengenden Produktion „Mann lernt Liebe“. Das, was ich bis jetzt von dem Film gesehen habe, überzeugt mich aber, dass es ein richtig knackiger Film wird.
Auch und vor allem, weil der Regisseur sehr genau wusste, was er wie erzählen wollte.
Der „Kriminalist“ mit Christian Berkel parallel dazu war eine gute Fingerübung. Der Berkel ist ein guter Partner. Ein richtig guter Profi.
Zwischendurch hab ich mich blöde verletzt. Was anderes als ein Muskelfaserriss hätte es sein können? 7 Tage „Rosskur“ und die Arbeit ging weiter. Inzwischen ist alles komplett verheilt. Nach ärztlicher Auskunft eigentlich nicht möglich. Aber ist so.
Synchron für „Westflug“ und den Neuseelandfilm, mehrere Castings für Herbstproduktionen gab es in der Zeit dann auch noch. Letztlich ein klares „Amerika“ Angebot. Die Vorbereitungen laufen. Freu mich drauf. Es ist der gleiche Regisseur wie am Anfang des Jahres. So schließt sich erst einmal der Kreis.
Aktuell entdecke ich das schwäbische Land. Die Soko Stuttgart lässt mich nach meiner entführten Tochter suchen.
Die Aussichten für den Spätherbst bleiben noch vage. Wir werden sehen.
So, meinen Gruß an alle. Ich wünsche Euch allen eine gute WM und kräftige, launige, freudvolle Tage.
Gruß derH